Historischer Bergbau

Auf den Spuren des Bergbau

Pulverturm - Bergbau in SachsenDie Gewinnung von Rohstoffen spielte über Jahrhunderte im Klosterbezirk Altzella eine wichtige Rolle. Dafür finden sich interessante Spuren in dieser Kulturlandschaft. Zahlreiche Steinbrüche, meist in Tälern gelegen, lieferten Werksteine von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Heute stehen sie oft als Geotope unter Schutz. In Talniederungen vorhandene Auenlehme dienten schon seit dem 12. Jahrhundert der Backsteinherstellung. Der in der Region unter- und übertägig gewonnene Kalk wurde gebrannt und als Baukalk benutzt.

Bergbau im Freiberger Nordrevier und im Klosterbezirk

Das Konversenhaus und andere Gebäudereste des Klosters Altzella sind eindrucksvolle Zeugnisse früher Backsteinbauten. Im Südwesten bei Kaltofen/ Berbersdorf und im Osten bei Rothschönberg und Miltitz sind Relikte und bemerkenswerte Reste von Kalkbrüchen und Kalköfen erhalten. Über die frühe Rohstoffgewinnung und Nutzung im Klosterbezirk gibt es bislang nur unzureichende Untersuchungen. Schon sehr zeitig wurde ein umfangreicher Silbererzbergbau betrieben. Auch die Weiterverarbeitung der Erze geschah in der Nähe der Bergbauzentren. Eine stadtähnliche bergbauliche Siedlung des 13. Jahrhunderts mit etwa 1000 Einwohnern, wird im Gebiet Gersdorf bei Roßwein vermutet. Den Silbererzbergbau im Klostergebiet belegen verschiedene Halden und Bingenzüge im Zellwald bei Obergruna, am Muldenhang bei Siebenlehn und anderen Orten, sowie im Norden des Freiberger Lagerstättenbezirkes. Im Klosterbezirk Altzella besaßen die beiden Städte Roßwein und Siebendehn als Bergstädte zeitweilig besondere Rechte.

Kahnhebehaus - Bergbau in SachsenDer Bergbau im Freiberger Nordrevier, das die nördliche Fortsetzung des Freiberger Reviers darstellt, begann möglicherweise im 12. Jahrhundert. Dieser ging ebenfalls vorrangig auf silberhaltige Erze um. Erst ab dem 16. Jahrhundert gibt es in größerem Umfang schriftliche Belege. So existieren ausführliche Unterlagen über den sich seit Anfang des 18. Jh. auf hohem technischen Stand entwikkelnden Bergbau. Dieser Bergbau beschäftigte tausende Bergarbeiter. Auch in kleinen separaten Bergbaugebieten, wie im Gebiet Gersdorf, gab es im 18. und 19. Jahrhundert bemerkenswerte Bergbauaktivitäten auf Silbererze.

Interessant ist vor allem die eingesetzte Bergbautechnik. Diese entwickelte sich mit der industriellen Revolution in Sachsen von der ausnahmslosen Nutzung von Wasserkraft mittels Wasserrädern zur Nutzung anderer Wasserkraftmaschinen (Wassersäulenmaschinen, Turbinen). Im Gebiet wurden sowohl bei der Aufschlagwasserzuführung mit Kunstgräben und Röschen, als auch der Aufschlagwasserspeicherung (Kunstteiche) und der Wasserabführungen aus den Bergwerken (Stolln) bemerkenswerte Anlagen erbaut. Von besonderem Interesse ist der im Freiberger Nordrevier vorhandene Erzkanal aus dem 19. Jahrhundert, der die wichtigsten Gruben mit der Hütte Halsbrücke verband. Er ging nur in Teilabschnitten in Betrieb. Es sind Ruinen zweier Kahnhebehäuser, die als die ältesten der Welt gelten (Halsbrücke, Großvoigtsberg), Kanalabschnitte sowie Schleusen- und Wehranlagen erhalten. Bergbau und bergbauliche Untersuchungsarbeiten im Freiberger Nordrevier fanden mit der Stilllegung des Freiberger Bergbaus 1968 ihren vorläufigen Abschluss.

Wassersäule - Bergbau in SachsenInteressante Einzeldenkmale und Denkmalensembles sind in Großschirma (Churprinz Friedrich August Erbstolln), Großvoigtsberg (Christbescherung Erbstolln), Kleinvoigtsberg (Alte Hoffnung Gottes Erbstolln), Obergruna (Gesegnete Bergmannshoffnung Erbstolln), Bieberstein (Emanuel Erbstolln) und Gersdorf bei Roßwein (Segen Gottes Erbstolln) erhalten. Historische Bergbautraditionen und bergbauliche Sachzeugen werden in der Region von verschiedenen Ortsvereinen, insbesondere durch Bergbauvereine gepflegt, von denen stellvertretend für alle anderen Vereine „Segen Gottes Erbstolln“ (Gersdorf), „4. Lichtloch Rothschönberger Stolln“ (Reinsberg) und „Bergbaufreunde Grube Vereinigtfeld Nossen e.V.“ erwähnt werden sollen. Besonders hervorzuheben ist das denkmalgeschützte Bergbaugebiet in Gersdorf mit einem Bergbaulehrpfad. Hier besteht die Möglichkeit einer Grubenfahrt Untertage.

Der Rothschönberger Stolln

Stolln in Rothschönberg - Bergbau in SachsenDer Rothschönberger Stolln ist der jüngste und einer der längsten Stolln des Freiberger Bergbaus und unterquert im westlichen Bereich den Klosterbezirk Altzella. Angelegt zwischen 1844 und 1877, besitzt er eine Länge von mehr als 50 km. Er brachte den Freiberger Gruben eine Mehrteufe zwischen 100 und 150 m. Der dauerhafte Energiegewinn betrug für das gesamte Freiberger Revier etwa 0,8 MW. Die ersten 14 km des Stollns wurden mit Hilfe von 8 Lichtlöchern aufgefahren. Diese waren jeweils mit einer eigenen, teils sehr umfangreichen, maschinentechnischen Ausstattung ausgerüstet. Das Verwaltungsgebäude des Stollns, das Huthaus, befand sich unmittelbar am 4. Lichtloch in Reinsberg.

Bergwerk-Darstellung - Bergbau in SachsenNeben weiteren Gebäuden haben sich hier auch das Treibehaus und die Radstubenkaue sowie die Maschinenräume zweier Wasserräder erhalten. Die Wasserversorgung der Maschinenanlagen zur Auffahrung des Rothschönberger Stollns sowohl am 4. als auch am 5. Lichtloch wurde durch die sogenannte Grabentour gewährleistet. Heute ist der unmittelbar an den historischen Gräben entlang führende Pfad ein sehr beliebter Wanderweg zwischen Krummenhennersdorf und Reinsberg.

Text und Bild: Kugler, Kleinvoigtsberg

 

 

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